Freitag früh um 5.30 Uhr mussten wir aufstehen um nachmittags am Salzsee (Salar de Uyuni) anzukommen. Auf halber Strecke stand eine Frau am Straßenrand, wie haben angehalten und gefragt was denn los sei. Sie und ihre Familie kannten den Weg nicht und sind dann einfach mal durch die Pampa gefahren und stecken geblieben. Wir mit ihr dahin gefahren, war sehr interessant, weil wir da auch gut hätten stecken bleiben können. Also an sich war es eine Sandwüste, doch dazwischen schlängelte sich so eine Art Mini-Fluss durch in einem Flussbett aus Steinen. Und das Auto steckte mit den Vorderreifen im Schlamm, zwischen Wasser und Sand eben. Die Eltern haben dann versucht das Auto aus dem Schlamm zu ziehen und wir Mädels sind mit den Füßen im Flüsschen umhergelaufen. Diese unendlich groß wirkende Wüste hat mich sehr fasziniert. Musste erstmal ein bisschen spazieren gehen, man ist ja schließlich nicht alle Tage in so einem Wüstending. Als das Auto nach drei Stunden immer noch im Schlamm war (es ja echt übel aus…) beschlossen wir weiter zu fahren und die Frau wieder bei dieser Straße abzusetzen. Natürlich haben wir noch mit ihr gewartet, bis endlich ein passendes Auto kam. Das dumme war nur, dass es in diesem Moment angefangen hat zu regnen, naja, die werden das schon geschafft haben. Abends sind wir dann am Hotel angekommen. Ein Hotel aus Salz, mitten in der Walachei. Nachdem wir gegessen haben sind wir noch auf den Salzsee gefahren. Wahnsinnig beeindruckend, sogar im Dunkeln. Zurück im Hotel haben Nakeena und ich noch stundenlang in unserem Zimmer über Gott und die Welt geredet und sind schließlich in unserem Bett aus Salz eingeschlafen…
Samstag früh haben wir unser ganzes Gepäck auf einen anderen Geländewagen geladen. Von da an waren wir immer mit diesem Wagen und mit unserem Tour Guide unterwegs. Bis zur Mittagszeit haben wir Fotos auf dem See gemacht. Durch seine Fläche von 12.000 km² kann man Fotos machen, dass es zum Beispiel so aussieht, als ob Nakeena auf meine Hand sitzt. Es sind echt tolle Bilder geworden. Dann sind wir weiter gefahren zur Incahuasi (eine Insel, mitten auf dem Salar). Dort gibt es unzählige riesige Kakteen. Wir sind dann auf dieser Insel bis zum „Gipfel“ gestiegen, von dort aus hatten wir einen wunderschönen Blick auf den Salzsee. Auch hier war ich fasziniert wie ein kleines Kind und habe den Mund vor lauter Staunen kaum noch zu bekommen.
Anschließend haben wir am Fuße der Insel Mittag gegessen, was unser Guide zubereitet hatte. Dann ging es weiter mit dem Auto. Erst einmal zu so einer Höhle wo Inkagräber zu sehen waren. Die Gräber waren Löcher im Boden, diese waren jedoch extrem klein, sodass ein normaler Mensch dort nie hineinpassen würde. Der Guide erklärte uns, dass die Inkas früher nur etwa 1,20 m klein waren und die Gräber damit ausreichend waren.
Wenige Stunden später sind wir in unserem nächsten „Hotel“ angekommen. Das erste was uns auffiel war, dass es in unseren Zimmern kein Licht gab, nur eine kleine Kerze. Aber okay, es war gemütlich. Bei diesem Hotel war der gesamte Boden aus Salz. Nach einer erholsamen Dusche habe ich mich mit ein paar deutschen unterhalten (man trifft wirklich überall Leute aus Deutschland…) und es gab Abendessen, was auch der Guide zubereitete. Anschließend wurde noch so ein Würfelspiel gespielt und dann ging es ins Bett.
Am nächsten Tag haben wir die Laguna Salada gesehen, wo echt viele Flamingos leben. Dort haben wir dann auch Mittag gegessen. Auf der Weiterfahrt (immer mitten durch irgendwelche Stein-, Sand- oder was-auch-immer-Wüsten durch) platzte dann ein Hinterreifen. Im Nu wurde er ausgewechselt und es war hoffen angesagt. Hoffen, dass das nicht nochmal passiert, weil wir nun keinen Ersatzreifen mehr hatten. Doch es blieb, Gott sei Dank, bei diesem einen Reifen. Die letzten zwei Stunden bis zu unserem nächsten „Hotel“ sind wir über dunkeln Sand gefahren. Man hat weit und breit nur diesen Harten dunklen Sand gesehen.
Und es war extrem kalt! Als wir in der Unterkunft saßen und einen schönen heißen Tee getrunken haben, hat es sogar ein bisschen geschneit (es hat übrigens ins Hotel rein geschneit…). Im Hotel war es ungefähr so kalt wie draußen, nur das wir wenigstens keinen Wind hatten. Aber wir saßen in mehreren Pullovern, Mütze, Schal und Jacke bei Kerzenlicht um einen kleinen wackeligen Tisch herum und haben wieder unser Würfelspiel gespielt. Hier gab es noch nicht einmal eine Dusche und auch nur 2 Klos (diese hatten keine Klobrillen und waren auch sonst nicht sehr Hotel like…). Durchgefroren wie wir waren hat es uns viel Überwindung gekostet unsere normalen Klamotten gegen Schlafzeug zu tauschen. Doch letzten Endes lagen wir alle mit langen, warmen Sachen (ich hatte 3 Pullover an, 2 paar Socken, eine kurze und eine lange Hose und sogar Handschuhe) in unseren Schlafsäcken worüber wir noch 3 Decken gelegt haben. Am liebsten hätte ich mir noch ne Mütze übers Gesicht gezogen, so kalt war es, aber atmen musste ich ja auch noch… Übrigens haben wir zu siebent in einem Zimmer geschlafen, sah aus wie im Flüchtlingslager: Bett neben Bett, kahle Wände, undichte Fenster…
Um 4.30 Uhr mussten wir am Montag aufstehen, weil die Strecke zum tollen Salzhotel auf dem Plan stand. Um 5 sind haben erst einmal das Auto vom Eis befreit und sind dann losgefahren um gegen 8 Uhr bei einer Stelle, wo es dieses warme Wasser gibt zu frühstücken. Eigentlich hatten wir vor dort baden zu gehen, aber erstens ist es auch dort noch wahnsinnig kalt gewesen, sodass wir uns nicht überwinden konnten Bikinis anzuziehen und zweitens habe ich mit meiner hand das Wasser „vorgetestet“ und mir wäre es auch viel zu heiß gewesen, hätte es keine 2 Minuten da drin ausgehalten. Aber interessant war es trotzdem – wie da einfach mal so heißes Wasser ausm Boden kommt. Auf unserer Fahrt Richtung Uyuni, kamen wir noch an einem aktiven Vulkan vorbei, an der Laguna Colorada/Roja (rote Lagune) , an der Laguna Verde (grüne Lagune, die aber eigentlich eher blau war…) und an mehreren gigantischen Steingebilden, mitten in einer Sandwüste, wo wir auch immer angehalten haben um Fotos zu machen und um fleißig zu staunen :-)
Abends waren wir wieder in unserem sauberen, schönen, edlen Salzhotel. Oh, wie ich die warme Dusche genossen habe! Und mein bequemes Bett danach!
Dienstag ging es nach einem ausgiebigen Frühstück nach Potosie. Auf dem Weg dahin kamen wir an einem „Zugfriedhof“ vorbei, keine Menschenseele war dort, nur ein einziger Soldat, das da anscheinend aufpassen musste. Der tat mir Leid, den ganzen Tag da einsam rumsitzen…
So, lange konnten wir nicht weiterfahren, weil nun bei unserem Auto ein Reifen platzte. Kurzer Reifenwechsel und weiter ging es. In Potosi angekommen, sind wir erst einmal essen gegangen. Dann haben wir eine Kathedrale besichtigt. Von dem Glockenturm aus, konnte man ganz Potosi sehen und die ca. 20 Kirchen die es dort gibt. Potosi ist bekannt für seine Silbermienen und für viele sehr alte Häuser die im Kolonialstil gebaut wurden. Zum Beispiel sind die Dachziegel, die auf Oberschenkeln geformt wurden sehr typisch.
Als es dunkel wurde, sind wir nach Sucre gefahren. Und etwas, was ich schon lange vorher vermutet hatte passierte: wir haben einen Hund überfahren… Ich selber habe geschlafen und bin nur von dem dumpfen Geräusch wachgeworden. Yatzi saß zwischen Nakeena und mir uns konnte so direkt auf die Straße gucken und die arme hat es ganz genau gesehen. Aber hier laufen wirklich andauernd irgendwelche Hunde völlig verstört vor die Autos. Nach dem kurzen Schock sind wir alle wieder eingeschlafen (außer Celo und Tania natürlich…) und im wunderschönen Sucre wach geworden. In Sucre ist es etwas wärmer als in La Paz und fast alle Häuser sind weiß. Dann gibt es viele Palmen und exotische Pflanzen. Die gibt’s in La Paz zwar auch, aber die gehen hier unter, weil alles so voll und dicht an dicht ist. Generell macht Sucre einen saubereren Eindruck als La Paz, ich war sehr begeistert von Sucre und beschloss noch einmal da hin zu fahren, mit einer Freundin. Nachdem wir uns einige Hotels angesehen haben, die aber alle nicht den Vorstellungen von der Familie entsprochen haben, fanden wir nun doch noch das richtige, bzw. mussten dann einfach mal eins nehmen, weil es schon spät war.
Am Mittwoch haben wir uns einige Museen angesehen. Wir waren im Casa de la Libertad, wo die Unabhängigkeitserklärung von Bolivien unterzeichnet wurde, waren im Textilmuseum, welches auch echt interessant war. Durch ihre aufwändige Webarbeit, brauchen die Frauen für einen kleinen Teppich bis zu 3 Monate und sie arbeiten jeden Tag 8 Stunden daran. Zur Mittagszeit haben wir so einen kleinen Bus genommen und sind in den Parque Cretacico gefahren. Dort wurden Dinosaurier in ihrer richtigen Größe dargestellt und man bekam an einer riesigen Felswand versteinerte Spuren von Dinosauriern zu Gesicht.
Nachmittags sind wir in ein Café gegangen und anschließend ein wenig bummeln. Abends wollten Nakeena und ich eigentlich in einen Club gehen. Aber in Sucre haben die Clubs in der Woche nicht auf…anders als in La Paz. So hat sie einen Kumpel angerufen der auch in Sucre war und mit ihm sind wir dann einfach in eine gemütliche Bar gegangen. Waren brav um 12 (okay…etwas später…) wieder im Hotel und haben sofort geschlafen, weil wir am nächsten Tag schon um 9 Uhr losfahren mussten.
Uns stand eine 11-stündige Fahrt bevor. Ich frage mich immer wieder, wie der Papa sowas durchhält… Als wir kurz vor Oruro waren, hätten wir nur noch 4 Stunden bis nach La Paz gebraucht, doch es gab eine Blockade. So richtig mit Steinen auf der Straße und so. Dauert oft eine Woche lang, meinte Nake. Und mit „einen anderen Weg nehmen“ ist hier nicht so einfach. Und übernachten in Oruro möchte auch keiner. Oruro ist sooo arm und gefährlich. Plötzlich haben die Eltern einen Weg entdeckt der mitten in die Pampa führte. Also: hin da! Auf dem Weg schlossen sich uns noch 4 weitere Autos an. Zusammen sind wir dann querfeldein irgendwo hin gefahren und kamen an einer anderen Stelle von Oruro an, wo erst einmal keine blockierte Straße in Sicht war. Wir hatten echt Glück gehabt!
Um 22 Uhr kamen wir in La Paz an. Die Reise war so aufregend und völlig anders als in Deutschland. Sie hat mir total gefallen und trotzdem war ich froh, alleine in meinem Zimmer zu sein. In meinem Bett liegen zu können und einfach mal wieder alleine sein.
Diese abwechslungsreiche Reise werde ich nie vergessen!
...Fotos kommen demnächst, muss mir erstmal die Fotos noch holen, die Nake oder die Eltern mit ihren Kameras gemacht haben... also bitte noch etwas Gedult
Sonntag, 19. April 2009
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Klasse! Die Strapazen sind schnell vergessen, die Erinnerungen und Bilder bleiben. Drum schnell her mit den Fotos.
AntwortenLöschenGruß
Carosoma
Die Reise hört sich echt gut an. Schade dass ich nicht da war ;) da freu ich mich ja schon auf die Fotos :)
AntwortenLöschenMarci